Holzenergie

Energieholz aus dem Schweizer Wald: Potenzial mit Grenzen

Im Schweizer Wald wächst mehr Holz nach, als genutzt wird. Warum das Potenzial für Energieholz trotzdem Grenzen hat.

Hohe Laubbäume in einem lichten Mischwald

Rund ein Drittel der Fläche der Schweiz ist von Wald bedeckt. Holz ist der wichtigste Brennstoff unter den Biomassen, und immer wieder ist zu lesen, dass in den Wäldern ungenutztes Potenzial steckt. Das stimmt, aber nur mit einigen Einschränkungen. Ein Blick auf die Zusammenhänge.

Nachhaltigkeit hat im Wald Tradition

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Es soll nicht mehr Holz geschlagen werden, als nachwächst. Die Schweiz hat bereits im 19. Jahrhundert ein eidgenössisches Forstgesetz erlassen, nachdem grossflächige Abholzungen in den Bergen zu Überschwemmungen und Erdrutschen beigetragen hatten. Bis heute gilt der Grundsatz, dass die Waldfläche erhalten bleiben muss.

Warum nicht einfach mehr Holz verbrennen?

In vielen Regionen wird weniger Holz genutzt, als jährlich nachwächst. Auf den ersten Blick spricht also viel für mehr Energieholz. Doch mehrere Faktoren setzen Grenzen:

  • Erschliessung und Kosten: Ein grosser Teil des Waldes liegt in steilem Gelände. Die Holzernte ist dort aufwendig, oft braucht es Seilkräne oder sogar Helikopter. Für reines Energieholz lohnt sich das selten.
  • Schutzwald: Viele Bergwälder schützen Dörfer, Strassen und Bahnlinien vor Lawinen, Steinschlag und Rutschungen. Hier steht die Schutzfunktion im Vordergrund, nicht die Holzproduktion.
  • Biodiversität: Alte Bäume und Totholz bieten Lebensraum für Pilze, Käfer, Spechte und viele weitere Arten. Werden Wälder zu stark ausgeräumt, gehen diese Lebensräume verloren.
  • Boden und Nährstoffe: Äste und Nadeln enthalten viele Nährstoffe. Werden sie systematisch abgeführt, kann der Waldboden auf Dauer verarmen.

Das Kaskadenprinzip

Holz ist zu wertvoll, um es sofort zu verbrennen. Nach dem Kaskadenprinzip wird es zuerst stofflich genutzt, etwa als Bauholz, für Möbel oder Holzwerkstoffe. Energetisch genutzt werden vor allem Sortimente, die dafür nicht geeignet sind: Restholz aus der Holzernte, Kronenholz, Durchforstungsholz, Sägereinebenprodukte wie Rinde und Späne und schliesslich Altholz am Ende seiner Lebensdauer, sofern es dafür zugelassen ist.

Auf diese Weise bleibt der Kohlenstoff zuerst über Jahrzehnte in Gebäuden und Produkten gespeichert. Erst am Schluss wird die Energie freigesetzt. Mehr dazu, welche Holzbrennstoffe sich wofür eignen, lesen Sie in unserem Vergleich von Stückholz, Schnitzeln und Pellets.

Der Klimawandel verändert den Wald

Trockene Sommer, Stürme und der Borkenkäfer setzen vielen Wäldern zu, besonders Fichtenbeständen in tieferen Lagen. Dadurch fällt zeitweise viel Schadholz an, das oft nur noch energetisch verwertet werden kann. Gleichzeitig bauen Forstbetriebe ihre Wälder um und setzen vermehrt auf Baumarten, die mit Wärme und Trockenheit besser zurechtkommen. Langfristig verändert das, welche Holzsortimente in welcher Menge verfügbar sind.

Regional nutzen, sinnvoll einsetzen

Energieholz hat dann den grössten Nutzen, wenn es aus der Region stammt, kurze Transportwege hat und in effizienten Anlagen eingesetzt wird. Besonders Wärmeverbünde mit Holzschnitzelheizungen können ganze Dörfer und Quartiere versorgen und dabei Restholz aus den umliegenden Wäldern nutzen. In gut eingestellten Anlagen mit Filtern bleibt auch die Luftbelastung gering.

Fazit

Der Schweizer Wald kann mehr Energie liefern als heute, aber nicht unbegrenzt. Wer das Potenzial nutzen will, muss Holzernte, Biodiversität, Schutzfunktion und Bodenschutz zusammen denken. Welche Regeln für Biomasse in der Schweiz und im Nachbarland Deutschland gelten, beschreibt unsere Seite zur Biomasseverordnung.